Chronik unserer WG

Das Jahr 1954 war in vielfacher Hinsicht ein bedeutendes Jahr: Deutschland wurde Fußballweltmeister in Bern und Angela Merkel wurde geboren. Am 12. April 1954 wurde die heutige Wohnungsgenossenschaft „Carl Zeiss“ eG von und für die Beschäftigten des VEB Carl Zeiss Jena gegründet. Die damalige Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft (AWG) diente dem Zweck, auf dem Weg des genossenschaftlichen Wohnungsbaus selbst genutzten Wohnraum zu errichten, zu erhalten und zu verwalten. Die Mitglieder erbrachten Arbeitsleistungen und erwarben Genossenschaftsanteile.

 

Das erste Mitglied trat am 9. Mai 1954 der AWG Carl Zeiss bei und bezog 1955 eine Wohnung in der Freiligrathstraße 32.  Bis Ende der 50er Jahre wurden die ersten 1.000 Mitgliedsnummern vergeben. Während in den 1960er Jahren noch das Wohngebiet Nord im Vordergrund stand, verlagerte sich die Bautätigkeit in den 1970er und 1980er Jahren nach Lobeda und dann bis Ende der 1980er nach Winzerla. Bis zum Jahr 1989 lebte etwa jeder sechste DDR-Bürger in einer AWG-Wohnung. Doch die Wende 1989/90 brachte eine Zäsur, so auch für die WG „Carl Zeiss“ eG.

 

Der Neubau musste zunächst zurückstehen. Es ging darum, die Bestände den neuen Bedingungen anzupassen. Auch die Frage des Rückbaus musste beantwortet werden. Die Prognosen über den Wohnungsmarkt unterlagen dabei permanenter Veränderung. Niemand wusste, ob die Wohnungen weiter nachgefragt werden und welcher Weg der Königsweg sei, um die Zukunft erfolgreich zu gestalten. Die WG „Carl Zeiss“ eG konzentrierte sich zunächst darauf, ihre Wohnungsbestände zu renovieren, zuerst mit Investitionen von ca. 80 Millionen Euro in Lobeda. Danach kamen die Objekte in Nord an die Reihe, vor allem der Anbau von Balkonen.

 

Zum Jahresbeginn 2001 fusionierte die WG „Carl Zeiss“ eG mit der Wohnungsbaugenossenschaft „Dorndorf-Steudnitz“. In der Bachstraße entstanden im Jahr 2003 und am Camsdorfer Ufer im Jahr 2004 einige Neubauten; ebenso in der Carl-Orff-Straße und im Telemannweg – insgesamt ca. 100 Wohnungen. Als erstes großes Bauvorhaben nach der Wende wurden im Jahr 2008 in der Naumburger Straße die „Nordlichter“ mit 130 Wohnungen fertiggestellt.

 

Auch die innerbetrieblichen Strukturen änderten sich. Aus dem Regiebetrieb wurde im Jahr 1992 die Rautal Unternehmensgruppe. Vor allem in den Bereichen Instandhaltung, Energie und Contracting sorgen die Mitarbeiter u. a. für günstige Betriebskosten. Durch das Altschuldenhilfegesetz im Jahr 1993 mussten einige Bestände privatisiert werden, um einen partiellen Erlass der nominellen Schulden aus DDR-Zeiten zu erzielen. Zu diesem Zweck wurde im Jahr 1996 die Wohnungsgenossenschaft „Unter der Lobdeburg“ eG (UDL) ausgegründet. Die nicht verkauften Eigentumswohnungen wurden im 100%igem Tochterunternehmen, der WGV GmbH & Co. KG (heute: WGV GmbH) konzentriert.

 

Am 02. Februar 2004 konnte die WG „Carl Zeiss“ eG mit Genehmigung des Bundesaufsichtsamtes für Finanzdienstleistungen eine Spareinrichtung eröffnen. Seit 10 Jahren legen Mitglieder ihre Gelder auf Sparbüchern in der Genossenschaft an. Dadurch werden in Summe deutlich weniger Zinsen gezahlt. Die WG finanziert damit ihre Investitionen und Neubauprojekte.

 

Bis zum 31. Dezember 2013 zählte die WG „Carl Zeiss“ eG 11.035 Mitglieder, bei 6.262 Wohnungen, 1,29% Leerstand und einem Nutzungsentgelt von durchschnittlich 5,10 Euro pro Quadratmeter. Auch in der Zukunft sollen entsprechend sich veränderter Anforderungen Wohnungen saniert, modernisiert und errichtet werden. Im Jahr 2015 werden 78 Wohnungen gegenüber den „Nordlichtern“ errichtet. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2017 geplant. Auf dem Grundstück daneben werden bis zum Jahr 2021 weitere 120 Wohnungen entstehen. Dabei wird großer Wert darauf gelegt, dass schwellenfreie Zugänge berücksichtigt werden und genossenschaftliches Leben seinen Platz findet.

 

Wer sich noch ausführlicher über die abwechslungsreiche Historie unserer Genossenschaft informieren möchte, dem empfehlen wir einen Blick in unsere Chronik. Diese ist auch als Buch erhältlich und kann bei unserem Empfang im Sonnenhof erworben werden (für Mitglieder 5 Euro, Nicht-Mitglieder 10 Euro; die Einnahmen werden komplett als Spende an verschiedene Projekte weitergereicht).